Internationale Gäste für Ferienwohnungen: Wann sich eine mehrsprachige Vermarktung wirklich lohnt
Die Nachfrage aus dem Ausland entwickelt sich im deutschen Tourismus derzeit bemerkenswert.
Während die Zahl der Übernachtungen deutscher Gäste im Juni 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,6 Prozent zurückging, verzeichnete das Statistische Bundesamt bei ausländischen Gästen einen Anstieg von 1,6 Prozent auf 7,7 Millionen Übernachtungen. Insgesamt erreichte Deutschland im ersten Halbjahr mit 223,8 Millionen Übernachtungen sogar einen neuen Rekordwert.
Für Eigentümer von Ferienwohnungen stellt sich damit eine interessante Frage:
Sollte die eigene Unterkunft stärker auf internationale Gäste ausgerichtet werden?
Die Antwort lautet nicht automatisch ja. Aber bei geeigneten Objekten kann eine professionell umgesetzte internationale Vermarktung zusätzliche Nachfrage erschließen.
Internationalisierung beginnt nicht mit einer automatischen Übersetzung
Viele Buchungsplattformen übersetzen Inserate inzwischen automatisch. Das ist praktisch, ersetzt aber keine durchdachte internationale Gästekommunikation.
Ein Gast, der kein Deutsch spricht, erlebt nicht nur den Inseratstext.
Er benötigt möglicherweise:
- verständliche Anreiseinformationen,
- eine klare Parkplatzbeschreibung,
- nachvollziehbare Check-in-Anweisungen,
- Bedienhinweise für technische Geräte,
- WLAN-Zugang,
- Hausregeln,
- Informationen zur Mülltrennung,
- Check-out-Anweisungen,
- einen Ansprechpartner bei Problemen.
Eine hervorragend übersetzte Buchungsseite hilft wenig, wenn der Gast anschließend vor einer ausschließlich deutsch beschrifteten Schlüsselbox oder einer komplizierten Hausanweisung steht.
Internationalisierung muss deshalb die gesamte Gästereise berücksichtigen.
Nicht jeder Standort benötigt eine internationale Strategie
Eine Ferienwohnung sollte nicht allein deshalb international beworben werden, weil die deutschlandweiten Übernachtungszahlen ausländischer Gäste steigen.
Entscheidend ist der konkrete Standort.
Besonders interessant kann internationale Nachfrage beispielsweise sein bei:
- Standorten in der Nähe international tätiger Unternehmen,
- Messe- und Kongressregionen,
- touristischen Sehenswürdigkeiten mit internationalem Publikum,
- Universitäts- und Forschungsstandorten,
- Flughäfen und großen Bahnknoten,
- Transitregionen,
- international bekannten Freizeit- oder Kulturangeboten,
- grenznahen Regionen.
Bei einer klassischen Ferienwohnung in einer stark regional geprägten Urlaubsregion kann dagegen die deutsche Zielgruppe weiterhin erheblich wichtiger sein.
Professionelle Vermarktung bedeutet deshalb nicht, möglichst viele Zielgruppen gleichzeitig anzusprechen.
Sie bedeutet, diejenigen Zielgruppen zu identifizieren, die realistisch zum Standort und zur Unterkunft passen.
Booking.com kann eine andere Rolle spielen als andere Vertriebskanäle
Auch die Auswahl der Buchungsplattform beeinflusst die erreichbaren Gästegruppen.
Internationale Reisende suchen häufiger über global etablierte Plattformen, während andere Portale stärker auf bestimmte Herkunftsländer oder Reiseformen ausgerichtet sind.
Bei einer Objektanalyse sollte deshalb nicht nur geprüft werden:
„Auf welchen Plattformen ist die Unterkunft gelistet?“
Die bessere Frage lautet:
„Welche Zielgruppe erreicht die jeweilige Plattform für genau dieses Objekt?“
Ein zusätzlicher Vertriebskanal hat keinen wirtschaftlichen Wert, wenn er lediglich dieselben Gäste erreicht und gleichzeitig zusätzlichen Verwaltungsaufwand erzeugt.
Umgekehrt kann ein bisher nicht genutzter internationaler Kanal sinnvoll sein, wenn er eine tatsächlich vorhandene Nachfrage erschließt.
Gute Übersetzungen müssen verkaufen – nicht nur korrekt sein
Ein deutscher Inseratstitel lässt sich technisch innerhalb weniger Sekunden übersetzen.
Das Ergebnis ist aber nicht automatisch ein guter englischer Verkaufstext.
Ein Beispiel:
„Gemütliche Ferienwohnung in ruhiger Lage“
ist sachlich problemlos übersetzbar.
Für einen internationalen Gast können aber andere Informationen relevanter sein:
- Entfernung zu wichtigen Städten,
- kostenloser Parkplatz,
- Bahnhof oder ÖPNV,
- kontaktloser Check-in,
- schnelles WLAN,
- Klimaanlage,
- Waschmaschine,
- Arbeitsplatz,
- Möglichkeit einer späten Anreise.
Gerade bei internationalen Gästen müssen Unsicherheiten reduziert werden.
Je weniger Ortskenntnis der Gast besitzt, desto wichtiger werden konkrete und überprüfbare Informationen.
Kontaktloser Check-in kann internationale Buchungen erleichtern
Ein gut funktionierender Self-Check-in ist nicht nur eine Arbeitserleichterung für Gastgeber.
Für internationale Gäste kann er eine zusätzliche Hürde beseitigen.
Flugverspätungen, lange Autofahrten oder verspätete Bahnverbindungen machen eine feste persönliche Schlüsselübergabe problematisch.
Ein digitaler oder anderweitig kontaktloser Zugang ermöglicht dagegen eine flexiblere Ankunft.
Voraussetzung ist allerdings, dass die Anleitung eindeutig und verständlich ist.
Eine gute Check-in-Nachricht sollte daher beispielsweise enthalten:
- genaue Adresse,
- Parkplatzinformation,
- Foto oder eindeutige Beschreibung des Eingangs,
- Zugangsmethode,
- Schritt-für-Schritt-Anleitung,
- Telefonnummer für Probleme.
Auch hier gilt: Technik allein schafft noch keinen guten Prozess.
Bewertungen sind international verständlich
Ein interessanter Vorteil professioneller Gästebetreuung besteht darin, dass gute Bewertungen weitgehend sprachunabhängig wirken.
Ein Gast muss keine lange deutsche Beschreibung verstehen, um zu erkennen:
4,9 von 5 Punkten bei zahlreichen Bewertungen signalisiert Vertrauen.
Besonders relevant sind international leicht verständliche Qualitätsmerkmale wie:
- Sauberkeit,
- problemloser Check-in,
- gute Kommunikation,
- komfortables Bett,
- ruhige Lage,
- zuverlässiges WLAN,
- Parkplatz,
- vollständige Ausstattung.
Eine auf internationale Gäste ausgerichtete Strategie sollte deshalb nicht nur mehr Reichweite erzeugen.
Sie muss sicherstellen, dass die Erwartungen dieser Gäste anschließend auch erfüllt werden.
Internationale Nachfrage kann saisonale Unterschiede ausgleichen
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die zeitliche Verteilung.
Deutsche Feriengäste orientieren sich stark an Schulferien, Feiertagen und Wochenenden.
Internationale Gäste unterliegen teilweise anderen Ferienzeiten und Reiseanlässen.
Geschäftsreisende, internationale Projektmitarbeiter oder Besucher von Veranstaltungen können wiederum völlig andere Aufenthaltsmuster haben.
Das bedeutet nicht, dass internationale Gäste automatisch die Nebensaison füllen.
Bei bestimmten Standorten können sie aber dazu beitragen, die Abhängigkeit von einzelnen deutschen Ferienzeiten zu reduzieren.
Genau deshalb sollte die Zielgruppenanalyse immer objekt- und standortbezogen erfolgen.
Fünf Fragen für Eigentümer
Wer prüfen möchte, ob internationale Vermarktung für die eigene Ferienimmobilie sinnvoll ist, kann zunächst fünf einfache Fragen beantworten:
1. Gibt es am Standort einen nachvollziehbaren internationalen Reiseanlass?
2. Wird meine Unterkunft auf Plattformen gefunden, die internationale Gäste tatsächlich nutzen?
3. Ist die komplette Gästekommunikation auch ohne Deutschkenntnisse verständlich?
4. Sind für internationale Gäste wichtige Ausstattungsmerkmale im Inserat eindeutig beschrieben?
5. Kann ein Gast auch bei später oder ungeplanter Anreise problemlos einchecken?
Wer mehrere dieser Fragen mit Nein beantworten muss, hat möglicherweise Optimierungspotenzial.
Fazit
Die aktuellen Tourismuszahlen zeigen: Während die Übernachtungen deutscher Gäste im Juni zurückgingen, stieg die Nachfrage aus dem Ausland.
Das bedeutet nicht, dass jede Ferienwohnung jetzt international vermarktet werden muss.
Es bedeutet aber, dass Eigentümer bei geeigneten Standorten prüfen sollten, ob sie eine vorhandene Nachfrage bislang möglicherweise nicht erreichen.
Erfolgreiche internationale Vermarktung besteht dabei nicht aus einer automatisch übersetzten Beschreibung.
Sie verbindet passende Vertriebskanäle, verständliche Kommunikation, einen unkomplizierten Check-in und eine Zielgruppenstrategie, die zum tatsächlichen Standort passt.
BISCHEL Property Management unterstützt Eigentümer dabei, Nachfragepotenziale nicht pauschal, sondern anhand des konkreten Objekts, seines Standorts und seiner realistisch erreichbaren Gästegruppen zu bewerten.
